Episode #37: Wie du Frieden mit deinen Erinnerungen schließen kannst

Diese Episode ist für mich eine sehr persönliche: Ich teile eine besondere Erinnerung mit dir.

Du erfährst:

  • Warum Erinnerungen dafür sorgen können, dass wir uns auch Jahre später noch ärgern oder traurig sind.
  • Wie du durch einen einfachen Trick deinen Frieden mit verpassten Gelegenheiten findest.
  • Was du tun kannst, um vergangene Ungerechtigkeiten loszulassen.
  • Und wie du anhand von Erinnerungen dein Potenzial entdecken kannst.

Am Ende hast du eine einfache, nützliche Übung für mehr Positivität und inneren Frieden.


Eine Reise in die 80er Jahre

Zum Einstieg möchte ich dir von einem Erlebnis erzählen, das ich heute hatte.

Ich war mit dem Auto unterwegs, und im Radio gab es Songs aus den 80er Jahren. Dabei geriet ich ins Träumen und landete schließlich bei einer konkreten Erinnerung.
Wir schreiben das Jahr 1981. Ich bin 16 Jahre alt und frisch verliebt. Während um mich herum die typischen Teenager-Beziehungsdramen stattfinden, habe ich das große Los gezogen.
Mein Freund sieht nicht nur megatoll aus, groß, blond, braungebrannt von einem langen Aufenthalt in Australien - er ist auch noch ganz besonders liebevoll und nett.
Und er ist das, was man in dieser Zeit einen Schwiegermutter-Schwarm nennt. Seine Familie hat ein erfolgreiches Unternehmen, und hier in Langenfeld gibt es gleich mehrere Mütter, die sehr gerne ihre Töchter mit ihm verkuppeln würden.

Meine Mutter gehört leider nicht dazu. Aber dazu später mehr.

Die Liebe ist jedenfalls groß. Doch schon bald steht eine Trennung an:

Als ich im Sommer die lange vorher gebuchte Sprachreise nach England antrete, fährt er mit seiner Familie nach Italien. Es folgen tägliche Telefonate vom Münzfernsprecher. So wie man ist, wenn man jung ist, kommen wir um vor Sehnsucht, und am Telefon wird viel geweint.

Nach ein paar Tagen beschließt er, dass er es nicht länger aushält. Er fährt mit dem Zug zurück nach Langenfeld und steht zwei Tage später mit seinem VW Käfer vor der Tür meiner Gastfamilie in England.
Es folgt eine sehr romantische Zeit an der Südküste Großbritanniens.

Alles könnte wunderschön sein – wenn da nicht meine strengen Eltern wären. Meine Mutter ist keineswegs begeistert von unserer Romanze. Sie hält mich für zu jung. Vor allem aber lehnt sie meinen Freund ab.

Warum das?
Sie findet seine Familie zu unkonventionell, da sie weder katholisch noch CDU-Wähler sind.
Der Vater meines Freundes ist sogar Ratsherr für die SPD. Schlimmer geht es kaum für meine Mutter.
Außerdem sind die Eltern geschieden, das ist ein weiteres No-Go für meine Mutter, die das für sehr verwerflich hält und jeglichen Kontakt zu geschiedenen Menschen strikt ablehnt.

Und so nimmt das Drama seinen Lauf: Bei mir hagelt es Hausarreste und Bestrafungen. Für jedes Treffen muss ich mir entweder eine Lüge einfallen lassen – oder es gibt ein riesiges Lamento.

Meine Teenager-Nerven sind nicht die stabilsten. Unter Stress werde ich entweder aggressiv und beginne zu streiten, oder ich kriege das heulende Elend.
Die Romantik ist, wie man sich vielleicht vorstellen kann, relativ schnell dahin.

Es kommt, wie es kommen musste: Irgendwann lernt mein Freund eine andere Frau kennen. Sie ist älter und gelassener. Ihre Eltern finden ihn nett und mögen auch seine Familie.
Er macht also Schluss mit mir. Ich leide ganz schrecklich und das Schlimme: Ich darf mir zu Hause nichts von meinem Kummer anmerken lassen, denn meine Mutter triumphiert: „Ich habe es dir ja gleich gesagt.“


Erinnerungen stecken in Schubladen

Wir Menschen speichern unsere Erinnerungen in Schubladen ab. Dazu gibt es zwei Schränke, in denen sich die verschiedenen Schubladen befinden.

Der eine Schrank hat die Aufschrift: „Erfreuliche Erinnerungen“.
Auf dem anderen Schrank steht, du kannst es dir denken: „Unerfreuliche Erinnerungen“.

Was denkst du – in welchem Schrank habe ich diese Erinnerung abgespeichert?

Also: Für mich war es eine unerfreuliche Erinnerung. Die Schublade, in der diese Geschichte bisher lag, heißt: „Verpasste Chancen und Gelegenheiten“.

Natürlich sagt mir mein Verstand jeden Tag, dass es ja heute gar nichts mehr ausmacht, dass aus meiner ersten großen Liebe nichts geworden ist. Im Gegenteil – Fakt ist: Ich bin mit meinem Mann äußerst glücklich und mit meinem Leben sehr zufrieden.

Und trotzdem – vielleicht kannst du das nachvollziehen – entstand bislang in mir ein Gefühl von Bitterkeit, wenn ich daran dachte. Diese Bitterkeit hat nichts damit zu tun, dass ich mich immer noch nach dem Jungen von damals verzehre. Sie resultiert aus der Ungerechtigkeit, die ich empfunden habe: Warum wurde mir so eine schöne Sache kaputtgemacht? Warum wurde mir die Chance auf diese Liebe nicht gegönnt?
Das konnte mich zornig, aber auch richtig traurig machen.

Du hast vermutlich auch die eine oder andere Situationen in dieser Schublade „Verpasste Chancen und Gelegenheiten“ – aus deiner Jugend, vielleicht auch im Job, in der Liebe, der Familie oder im Hobby.
Und möglicherweise entstehen bei dir ähnliche Gefühle von Bitterkeit, Trauer oder Zorn.


Ein neuer Blick auf eine „alte Geschichte“

Aber jetzt kommt’s: Heute nahm die Geschichte einen anderen Verlauf und bekam eine vollkommen neue Schublade, und zwar im Schrank: „Erfreuliche Erinnerungen“.

Wieso das? Mein Blickwinkel hat sich irgendwie verändert. Während ich meiner Erinnerung nachhing, sind Aspekte in den Fokus geraten, auf die ich bislang NIE geachtet habe.
Auf einmal fiel mir auf, dass ich schon eine attraktive Wesensart gehabt haben musste, damit dieser junge Mann sich so sehr in mich verliebt hat. Anscheinend hatte ich eine Ausstrahlung, die ihm sehr gut gefallen hat. Und was für ein Glück hatte ich, dass ich bei meiner ersten großen Liebe an jemanden geraten bin, der so liebevoll war und es so gut mit mir meinte.

Ich saß also da, im Auto, und lächelte. Und freute mich an der Erinnerung.
Und dann fiel mir noch etwas auf: All die psychologischen Erkenntnisse, die ich hier im Podcast mit dir teile, haben wirklich Früchte getragen.
Die vielen Jahre des Lernens, Reflektierens und Weitergebens haben mich tief verändert.


Mehr (Selbst-)Freundlichkeit mit Human Design

Das Tüpfelchen auf dem i für mich ist das Thema „Human Design“, das vor gut 1,5 Jahren in mein Leben gekommen ist und mir noch mal ganz erhebliche Erkenntnisse ermöglicht hat – und in Form von „Human Life Design“ auch Eingang in meine Beratungspraxis gefunden hat.

Auf jeden Fall habe ich gemerkt, dass sich mein Blick auf das Leben auf freundliche Weise verändert hat.

Die gute Nachricht: Du kannst das auch haben! Wenn ich raus kann aus Erinnerungen voll Verdruss und Bitterkeit, dann kannst du das auch – wenn du magst.


Kleine Schritte helfen

Fang am besten klein an. Suche dir eine kleine Story aus dem Schrank mit den unerfreulichen Erinnerungen heraus, also nicht das Riesen-Drama, das dein Leben überschattet (das kommt erst später dran), sondern eine Geschichte aus deinem Berufs- oder Privatleben, aus der Jugend oder Erwachsenenzeit, die aktuell keinen großen Einfluss hat auf dein Leben:

  • Es kann eine Gelegenheit sein, die du nicht ergriffen hast, und der du aus irgendwelchen Gründen immer noch nachtrauerst.
  • Es kann eine Ungerechtigkeit sein, die dir widerfahren ist, und die dich immer noch wütend oder hilflos macht.

Schau dir die Geschichte in aller Ruhe an: Was war da los? Wer war dabei?

Und dann schau genauer hin:
Wenn es zum Beispiel um die Gelegenheit ging, die du nicht ergriffen hast – dann hat die Angelegenheit zwei Seiten: Zum einen die Chance, die vertan wurde. Das ist das, was einen auch nach Jahren noch frustrieren kann.
Zum anderen ist da auch das Potenzial, das dazu führte, dass dir diese Chance gegeben wurde. Das ist auch heute noch sehr, sehr spannend:

  • Was hattest du für Eigenschaften, die dir dabei halfen, diese Chance zu bekommen?
  • Welche Verbündeten konntest du für dich gewinnen?

Auch wenn die Situation heute anders ist – dein inneres Potenzial ist ja immer noch da! Richte den Scheinwerfer der Erinnerung genau darauf.


Du bist heute viel stärker als früher

Wenn es bei deiner Geschichte um eine Ungerechtigkeit ging, die dir widerfahren ist, dann ist es ja so, dass du seinerzeit keine Möglichkeit gesehen hast, dich dagegen auf deine Weise zu wehren. Aber inzwischen hast du ein Vielfaches mehr an Erfahrungen. Du bist reifer, sicherer, gewandter. Schau dir genau an, was du heute hast, das dir damals geholfen hätte.
Darauf kannst du jetzt bauen und vertrauen. Du kannst damit Situationen meistern, in denen du einst hilflos warst.
Du kannst die Geschichte jetzt in die Schublade legen mit der Aufschrift: „Damals war ich noch nicht so weit – heute schon!“

Und noch eine Sache: Wenn dir als Kind Unrecht getan wurde, dann ist das oft besonders schmerzlich, weil du dich als wehr- und schutzlos erlebt hast.
Aber heute, als erwachsener Mensch, bist du nicht mehr wehr- und schutzlos.
Wenn du eine Erinnerung hast an dich als hilfloses Kind, dem nicht geholfen wurde, dann mach jetzt mal eins: Schaue aus deiner Erwachsenen-Perspektive dieses Kind ganz liebevoll an. Lächle ihm von ganzen Herzen zu. Es ist so ein wunderbares, nettes Kind. Es freut sich über Mitgefühl und Fürsorge.
Und stell dir vor, wie du dieses Kind schützend in deine Arme schließt.
Sage deinem jüngeren Ich: „Ich bin für dich da. Ab heute beschütze ich dich. Du bist einfach wunderbar. Und ich passe jetzt auf dich auf.“

Das ist die Kurzform einer sehr wirksamen Übung, um schmerzhafte Kindheitserfahrungen zu überwinden.

Wenn du merkst, da wird etwas freigesetzt, das wirklich schwierig für dich ist und das du alleine nicht auflösen kannst, dann scheue dich nicht, in deine Selbstfürsorge zu kommen und dir professionelle Unterstützung zu holen.

Auf jeden Fall möchte ich dich mit dieser Episode dazu anregen, negative Erinnerungen nicht nur rational, sondern auch emotional neu zu bewerten.
Sich mit dem Verstand zu sagen: „Heute ist ja alles okay“ – ist eine Sache. Sätze wie dieser sind super, um sich im Hier und Jetzt zu stabilisieren und sich ins Bewusstsein zu rufen, dass du ja grundsätzlich im Zustand der Zufriedenheit bist.

Sie helfen aber meistens nicht dabei, Frieden mit den Emotionen einer Erinnerung zu schließen.
Deshalb möchte ich dich einladen, die Emotionen innerhalb der Erinnerung zu verändern.

Und dazu lohnt es sich, den eingetretenen Weg zu verlassen, mit dem du diese spezielle Erinnerung betrachtest, und mal andere Facetten der Geschichte ins Licht zu rücken.


Du kannst deine Erinnerungen emotional verändern

Falls du dich fragst, ob man Erinnerungen tatsächlich emotional neu bewerten kann: Ja, das geht! Die Forschung zeigt, dass die Verschaltung zwischen den sachlichen Fakten und den damit verbundenen Gefühlen überschrieben werden kann, indem du die Erfahrung affektiv neu bewertest. Unser Gehirn ist durch seine sogenannte Plastizität dazu in der Lage, neue Bewertungen für eine alte Situation zu finden und auch die neuen Emotionen mit abzuspeichern.

Wenn du dazu Fragen oder Anmerkungen hast, dann schreibe mir gerne eine Mail.

Zum Abschluss dieser Episode habe ich noch ein Zitat für dich. Es ist von Dietrich Bonhoeffer:

„Je schöner und voller die Erinnerung, desto schwerer ist die Trennung. Aber die Dankbarkeit verwandelt die Erinnerung in stille Freude. Man trägt das vergangene Schöne nicht wie einen Stachel, sondern wie ein kostbares Geschenk in sich.“

Herzliche Grüße,
Deine Ursula

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