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Heute möchte ich eine kleine, aber feine Erfahrung mit dir teilen:
Es ist eine Erfahrung, die auf den ersten Blick nur etwas mit einem Wochenendausflug zu tun hat – und am Ende doch ganz viel mit unserer inneren Haltung, unseren Erwartungen und unserer Zufriedenheit.
Du erfährst heute:
- Warum uns nicht erfüllte Erwartungen manchmal stärker belasten als die Situation selbst.
- Weshalb unser Gehirn so schnell Beweise dafür sammelt, dass „alles blöd“ ist.
- Und wie ein enttäuschender erster Eindruck noch zu einer wunderbaren Erfahrung werden kann.
Am Ende hast du drei einfache, praktische Werkzeuge, mit denen du Enttäuschungen loslassen, das Gute wieder sehen und mehr Leichtigkeit in deinen Alltag bringen kannst.
Schlechte Stimmung am Wochenende
Nach einer geschäftlichen Veranstaltung in Amsterdam letzte Woche haben mein Mann und ich beschlossen, noch ein Wochenende dranzuhängen. Nach acht Jahren Sommersaison mit dem Wohnwagen in Zeeland hielt ich mich inzwischen fast für eine Holland-Expertin. Ich wusste doch genau, wie ein schönes Wochenende am Meer aussieht.
Ich hatte ein kleines Apartment in einem Ferienpark in Kijkduin gebucht. Unsere Freunde kamen mit dem Wohnmobil dazu. Die Vorfreude war groß.
Schon die Anreise lief allerdings anders als erwartet. Eine Strecke, die auf der Karte nach ungefähr einer Stunde aussah, zog sich gefühlt ewig. An jeder Ampel nur ein paar Sekunden Grün, dann wieder minutenlanges Warten. Nicht weit – aber zäh.
Und als wir ankamen, kam die nächste Enttäuschung: Das Apartment war kleiner und dunkler als gedacht.
Dann wollten wir etwas einkaufen. Es war kurz nach 17 Uhr. Der Supermarkt im Park hatte aber bereits geschlossen.
Also wieder rein ins Auto und hin zu einem größeren Supermarkt – wir landeten in einer Gegend, die so gar nicht zu meinem Holland-Bild passte: Orange Plastikfähnchen flatterten überall wegen der Fußball-WM, dazu viel Verkehr, viel Beton, Müll, nichts von dem idyllischen Zeeland-Gefühl, das ich so liebe.
Dazu gesellte sich der tägliche Kampf mit den Schranken des Campingplatzes. Die erste funktionierte zuverlässig – die zweite schien beschlossen zu haben, uns für immer auszusperren. Draußen parken war keine Option, denn die Strandparkplätze waren komplett belegt.
Und auch der Ort selbst war anders als erwartet. Der Strand ist zwar riesig und wunderschön, aber in der einen Richtung schaut man auf die Hochhäuser von Scheveningen, auf der anderen Seite sieht man in der Ferne den Industriehafen von Rotterdam.
Kurz gesagt: Meine Stimmung ging ziemlich schnell nach unten.
Doch lieber Zeeland?!
Mein Mann sagte irgendwann: „Eigentlich hätten wir auch noch eine Stunde weiterfahren können und wären in Zeeland gewesen.“
Und ganz ehrlich: In diesem Moment hatte ich innerlich schon den Stempel draufgesetzt: Nicht schön. Falsche Entscheidung. Hätten wir echt anders machen sollen.
Und genau das ist der spannende Punkt.
Denn wir haben beschlossen, diesem Wochenende trotzdem eine Chance zu geben.
Wir haben uns immer wieder gesagt: Es ist unser freies Wochenende. Wir entscheiden, wie wir es erleben. Wir machen es uns schön.
Eine Entscheidung, die Gold wert ist
Am ersten Abend waren wir lecker essen.
Am nächsten Morgen verbrachten wir einen traumhaften Vormittag mit unseren Freunden an einem endlos weißen Sandstrand. Anschließend saßen wir mit einem erfrischenden Getränk in einer wunderschönen Strandbar und genossen den Blick aufs Meer.
Wir entdeckten, dass wir mit dem Bus in kurzer Zeit in Den Haag sind – und machten einen großartigen Ausflug. Im Mauritshuis standen wir plötzlich vor Vermeers „Mädchen mit dem Perlenohrring“. Dieses weltberühmte Gemälde einmal im Original zu sehen, war ein ganz besonderer Moment. Und auch die anderen Kunstwerke, Werke von Rembrandt, Frans Hals, Breughel und vieles mehr.
Danach ein wunderbares indonesisches Essen, ein lustiger Spieleabend mit unseren Freunden – und am nächsten Tag ein Besuch in Delft, eine Stadt, die ich noch aus meiner Zeit bei IKEA kannte und die mich wieder mit ihrem besonderen Charme verzaubert hat.
Am Ende saß ich im Auto auf der Rückfahrt und dachte:
„Wie schade wäre es gewesen, wenn ich meiner ersten Enttäuschung erlaubt hätte, dieses ganze Wochenende zu bestimmen.“
Und genau deshalb erzähle ich dir diese Geschichte heute.
Ein "Luxusproblem" – und trotzdem spannend!
Bevor jetzt jemand denkt: „Meine Güte, worüber beschwert die sich eigentlich?“ – ja, mir ist vollkommen bewusst, dass es sich um ein Luxusproblem handelt. Ein Wochenende am Meer, eine Ferienwohnung, Zeit mit Freunden – das alles sind Dinge, für die ich sehr dankbar bin.
Und trotzdem finde ich die Beobachtung spannend.
Denn Enttäuschung entsteht nicht dadurch, dass etwas objektiv schlecht ist. Sie entsteht oft dadurch, dass die Realität nicht zu unseren Erwartungen passt.
Das gilt bei einem Wochenendausflug genauso wie im Job, in Beziehungen oder im Alltag. Gerade deshalb lohnt es sich, hinzuschauen, wie wir mit diesen Momenten umgehen.
Mit Situationen, wenn wir eine genaue Vorstellung davon haben, wie etwas sein sollte: der Urlaub, ein Wochenende, ein Gespräch mit dem Partner, ein Arbeitstag, ein neues Projekt.
Kennst du den Negativitätsbias?
Wenn die Realität nicht zu unserem inneren Drehbuch passt, passiert etwas Interessantes in unserem Gehirn.
Die Psychologie nennt das den „Negativitätsbias“. Unser Gehirn ist darauf spezialisiert, Probleme und Abweichungen wahrzunehmen. Aus evolutionärer Sicht war das sinnvoll:
Wer die Gefahr hinter dem Busch schneller erkannte, hatte bessere Überlebenschancen!
Heute führt dieser Mechanismus dazu, dass wir plötzlich anfangen, Beweise dafür zu sammeln, dass unsere Enttäuschung berechtigt ist.
„Das Apartment ist zu dunkel.“
„Die Gegend ist hässlich.“
„Die Schranke funktioniert nicht.“
„Zeeland ist viel hübscher.“
Unser Gehirn wird zum Anwalt unserer schlechten Laune.
Und genau dann braucht es einen bewussten Perspektivwechsel.
Wir dürfen uns nicht von unseren Gedanken terrorisieren lassen!
Achte gerne mal darauf, was bei dir so etwas sein könnte, wo du in deinem Leben große Erwartungen hast - und letztendlich in einer Enttäuschung landest. Vielleicht gibt es da so etwas wie ein Muster der unerfüllten Erwartungen.
Raus aus der Enttäuschung mit drei Tipps
Tipp Nummer 1: Erkenne deine innere Geschichte – und trenne sie von der Realität
Frage dich:
Was ist tatsächlich schlecht – und was ist einfach nur anders als erwartet?
Kijkduin ist nicht Zeeland. Aber Kijkduin muss auch nicht Zeeland sein.
Oft leiden wir nicht an der Realität, sondern an dem Abstand zwischen Realität und unserer Vorstellung. Manchmal erwarten wir einfach auch viel zu viel.
Dazu kommt ein weiterer Effekt: Wir Menschen mögen das Vertraute. Dinge, Menschen und Orte, die wir kennen, bewerten wir oft positiver – einfach, weil sie uns vertraut sind. Zeeland war für mich nicht nur schön, es war auch vertraut. Ich wusste, was mich erwartet.
Das Neue muss sich dagegen Vertrauen erst einmal „verdienen“. Es braucht Zeit, damit wir uns orientieren, Besonderheiten entdecken und eine Beziehung zu einem Ort oder einer Situation aufbauen können.
Und genau deshalb lohnt es sich manchmal, nicht nach den ersten 30 Minuten ein Urteil zu fällen. Ein fremder Ort, ein neuer Mensch oder eine ungewohnte Situation haben oft eine zweite Chance verdient.
Das bringt mich zu Tipp Nummer 2.
Tipp Nummer 2: Gib der Situation eine zweite Chance
Triff eine bewusste Entscheidung:
Ich bewerte noch nicht endgültig. Ich bleibe neugierig.
Wie gesagt: Viele schöne Erfahrungen brauchen Zeit. Manchmal liegt das Beste eines Tages hinter dem Moment, in dem wir am liebsten schon aufgegeben hätten.
Tipp Nummer 3: Suche aktiv nach dem Guten
Das klingt einfach, ist aber echte Gehirnarbeit.
Unser Fokus bestimmt unsere Wahrnehmung.
Du kannst dich gerne mal fragen:
Was ist heute trotz allem schön?
Was wäre mir entgangen, wenn ich nur auf das Negative geschaut hätte?
Bei uns waren es der weiße Sandstrand, Den Haag, das Mauritshuis, das großartige Essen und ein wunderschöner Abend mit Freunden.
Vielleicht hätte ich all das beinahe übersehen, weil ich innerlich noch über eine dunkle Ferienwohnung geschimpft hätte.
Und vielleicht ist das am Ende noch ein weiterer Aspekt: Pflege Dankbarkeit.
Denn Dankbarkeit bedeutet nicht, dass alles perfekt sein muss. Sie bedeutet auch nicht, dass wir Enttäuschungen schönreden oder so tun, als hätte uns das dunkle Apartment plötzlich gefallen.
Dankbarkeit bedeutet vielmehr, den Blick bewusst auf das zu richten, was trotzdem gut war.
Unser Gehirn ist, wie gesagt, von Natur aus darauf programmiert, Probleme und Fehler zu suchen. Deshalb ist Dankbarkeit eine kleine tägliche Gegenbewegung. Sie hilft uns, den Blick zu erweitern und nicht nur die geschlossene Schranke zu sehen – sondern auch den wunderschönen Strand dahinter.
Und vielleicht ist genau das eine schöne Frage für dich zum Abschluss dieser Folge:
Was war in deiner letzten Woche nicht perfekt – und wofür kannst du trotzdem dankbar sein?
Ich möchte ich dich noch auf eine Veranstaltung aufmerksam machen, auf die ich mich ganz besonders freue:
Vom 24. - 26. September biete ich gemeinsam mit meinem Kollegen Edgar Blawatt einen besonderen Resilienz-Kurs an. Es geht darum, die eigene psychische Widerstandskraft zu stärken, gelassener mit Belastungen umzugehen und neue Kraftquellen im Alltag zu entdecken.
Wir werden dabei nicht nur Wissen vermitteln, sondern vor allem viele praktische Übungen ausprobieren, miteinander ins Gespräch kommen und konkrete Strategien entwickeln, die du direkt im Alltag anwenden kannst. Dazu bekommst du auch therapeutische Impulse vom Profi.
Wenn du dir also etwas Gutes tun möchtest, wenn du wieder mehr innere Stärke, Zuversicht und Gelassenheit in dein Leben bringen möchtest, dann würde ich mich sehr freuen, dich dort zu begrüßen.
Lerne uns und unsere Arbeitsweise auf Gedankenknast.de kennen.
Alle Informationen zum Resilienzkurs findest du hier.
Jetzt verabschiede ich mich für heute.
Manchmal beginnt der schönste Teil einer Reise genau dort, wo der Plan endet.
Herzliche Grüße,
Ursula



