#59: Wie die „Positive Psychologie“ dein Leben bereichert

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Im Grunde drehen sich ja alle Folgen von „Coffee or Tea“ um Positive Psychologie

Meine Herzensangelegenheit ist es, dir Tipps und Ideen zu geben, mit denen gut durch den Alltag kommst und die dir dabei helfen, schöne Momente deines Lebens ganz bewusst zu genießen - die dich aber auch unterstützen, in Krisen innere und äußere Kraftquellen zu nutzen, um wieder heraus zu finden. 

Plakativ gesagt:

Mehr Zufriedenheit, Freude und Gesundheit in deinem Leben - auch unter widrigen Umständen.

Die Positive Psychologie ist die Wissenschaft, die genau diese Aspekte systematisch erforscht. 

Also: Was hilft dir dabei, gesund und mental stabil zu bleiben - oder es wieder zu werden, wenn das Schicksal zuschlägt? 

Die Forschung der Positiven Psychologie beschäftigt sich damit, was Menschen auch unter schwierigen Umständen gesund hält - oder dabei hilft, in einer guten Zeit wieder gesund zu werden: „Build what’s strong!“ 

Das ist ein relativ neuer Ansatz. Die Psychologie war früher stark darauf ausgerichtet, zu erforschen, was Menschen alles krank macht, um diese kranken Menschen dann zu heilen: "Fix what’s wrong!“


Was du heute erfährst

  • Wie du mithilfe von kleinen „Pack-ans“ mehr Freude und Zufriedenheit in deinen Alltag bringen kannst.
  • Welche Säulen der Positiven Psychologie dich dabei unterstützen.
  • Und warum es so wichtig ist, sich im eigenen Leben aktiv für sein Wohlergehen einzusetzen - statt sich als Opfer der Umstände zu fühlen.


Früher glaubte man, dass der Mensch das Resultat seiner Gene sei - und damit war quasi erblich vorherbestimmt, wie jemand dachte, fühlte und handelte.

Dann waren Wissenschaftler:innen überzeugt davon, dass Menschen das Produkt seiner Umwelt sei.  

Zusätzlich gab es die Idee, dass der Mensch von inneren Trieben aktiviert wurde, die sich je nach äußerem Ereignis auf unterschiedliche Weise im Verhalten zeigten.

Zum Glück wissen wir ja heute, dass es eine weitere Einflussgröße gibt: Wir können (zumindest als sogenannter gesunder Mensch) unser Denken, Fühlen und Handeln aktiv steuern und dafür sorgen, dass sich Gewohnheiten und Denkmuster verändern können. Das nennt sich Neuroplastitizität. 

Unsere Synapsen im Gehirn können sich neu anordnen und verbinden – unliebsame Programme können deaktiviert und liebevolle, schöne Gewohnheiten aufgebaut werden.

Wir haben quasi zu jeder Zeit unseres Lebens die Chance, uns so zu verändern, dass wir zunächst einmal mehr von dem wahrnehmen, was uns gut tut und Freude macht.


Welche Rolle spielt die "Achtsamkeit"?

Die Wahrnehmung des Ist-Zustands ist immer der erste Schritt!

Aussteigen aus dem inneren Autopilot, aus dem automatischen Agieren und Reagieren.

Du kennst diesen Prozess vielleicht auch unter dem Begriff „Mindfulness“ oder auf deutsch „Achtsamkeit“.

Und im nächsten Schritt können wir aktiv Einfluss nehmen auf unterschiedliche Situationen, denen wir im Leben ausgesetzt sind. 

Ich habe es ja schon gesagt: Zwischen Allmacht und Ohnmacht gibt es viele Facetten und Einflussmöglichkeiten.

Dazu meine eigene Erfahrung: Ich selbst hatte immer einen sehr sehr hohen Leistungsantrieb. Klar, wir wissen woher das kommt: In meiner Familie war Leistung ein hoher Wert. 

Wer nichts leistete, war sozusagen auch nicht sehr viel wert.

Im Jahr 2007 hat mir dieser unglaubliche Leistungsanspruch einen fetten Bandscheibenvorfall beschert:

Ich stand innerlich oft sehr unter Druck - und wenn der Rücken weh tat, habe ich es ignoriert oder eine Tablette geschluckt.

Ich hatte keinen besonders guten Zugang zu mir und meiner Befindlichkeit.

Dann wurde ich eines Tages mit den Füßen zuerst aus dem Haus getragen und mit dem Krankenwagen in die Klinik gebracht. Nix ging mehr.

Im Jahr darauf habe ich das Thema Achtsamkeit für mich entdeckt, und kurz darauf auch die Positive Psychologie.

Ich war dazu in Graz bei einer Fortbildung zur Positiven Psychologie und war sehr, sehr angetan von den damit verbundenen Möglichkeiten, sich selbst zu entwickeln und zu entfalten.

Und ich kann sagen, dass Achtsamkeit, also die Fähigkeit, präsent zu sein und sich selbst zu spüren und anzunehmen, die Basiskompetenz ist für alles andere. Auch für die Positive Psychologie.


Das Konzept der "erlernten Hilflosigkeit"

Der Gründer der Positiven Psychologie, Martin Seligman, hat als junger Student ein einschneidendes Erlebnis gehabt:

Er konnte in einem Versuchslabor beobachten, wie sich die armen Versuchshunde bei einem Experiment verhalten haben.

Im ersten Teil des Experiments erhielten sie Elektroschocks, im zweiten Teil konnten sie über eine Trennwand springen, um dem Schock zu entgehen.

Zur Überraschung der Forschenden blieben viele Hunde apathisch liegen, statt wegzurennen.

Aber wieso?

Sie hatten im ersten Teil gelernt, dass Springen, Bellen, Knurren, Jaulen zwecklos ist, es gab kein Entrinnen vor dem Elektroschock.

Martin Seligman nennt das: „Erlernte Hilflosigkeit“.

Auch wir Menschen erlernen diese Hilflosigkeit in vielfachen Kontexten - in unterschiedlichem Ausmaß: Als Baby, das nicht auf den Arm genommen wurde, als es Angst oder Hunger hatte.

Als Kind, das stets für seinen Ideenreichtum bestraft wurde, weil dieser den Eltern unbequem oder peinlich war, als junger Erwachsener, dem es nicht erlaubt wurde, seinen beruflichen Neigungen zu folgen, sondern die Ausbildung machen musste, die die Eltern für angemessen hielten.

Ich denke, da kennt jeder in meiner Generation jemanden, der vielleicht ein begeisterter Germanist war, jedoch der Familientradition folgen und Mediziner werden musste - oder umgekehrt.

Wir alle können es verkraften, wenn es hin und wieder passiert, dass uns die Flügel beschnitten werden. Solange wir ausreichend Möglichkeiten haben, uns als selbstwirksame Wesen zu erleben, sprich: Als Mensch, der auf sein Leben gestalterischen Einfluss nimmt.

Wir brauchen unbedingt das gute Gefühl, dem Leben nicht hilflos und ohnmächtig ausgeliefert zu sein. Kein Opfer zu sein.

Höre dazu gerne auch noch mal die Episode 38 „Tipps gegen Traurigkeit“.

Wir brauchen kleine „Pack-ans“ fürs Wohlbefinden an jedem Tag.


Lerne PERMA kennen

Für die täglichen "Pack-ans" liefert die Positive Psychologie uns ein wunderbares Modell.

Es heißt PERMA, ist sehr sehr gut auf seine nachhaltige Wirksamkeit erforscht und zeigt uns die fünf Säulen, die entscheidend für unsere Gesundheit und Zufriedenheit sind.

PERMA ist ein Akronym mit 5 Buchstaben für folgende Begriffe:

  • Positive Emotionen: Erleben von positiven Gefühlen
  • Engagement: Einsetzen von Stärken und Erleben von Flow
  • Relationships: Zugehörigkeit erleben und Beziehungen aufbauen
  • Meaning: Sinnhaftigkeit im Leben spüren
  • Accomplishment: Ziele erreichen und Selbstwirksamkeit leben.


P – Positive Emotions: Die positiven Gefühle

Während negative Gefühle für das grundsätzliche Überleben wesentliche Bedeutung haben, sind positive Emotionen Treiber unserer zukünftigen Entwicklung. Sie haben die Funktion,

unseren Horizont im wahrsten Sinne des Wortes wieder zu erweitern. 


Die Herausforderung: Negative Gefühle „schreien“, positive Gefühle „flüstern“. Während das Erleben negativer Gefühle fast immer sehr deutlich zu spüren ist, scheinen positive Gefühle manchmal nur wie ein flüchtiger Hauch zu sein. 

Viele Menschen nehmen ihre positiven Gefühle selten bis gar nicht wahr. Oder aber: Sie kennen nur den Moment der Bedürfnisbefriedigung, in dem das Belohnungssystem seinen Begeisterungsrausch hat, nicht aber die subtileren Gefühle: Dankbarkeit, Heiterkeit & Gelassenheit, Interesse & Neugier, Hoffnung & Zuversicht, Inspiration, liebevolles Zugewandtsein, usw.

Positive Gefühle stärken unsere Resilienz. 

Barbara Fredricksons Forschung zum Thema Resilienz zeigt: Wer auch unter schwierigen Umständen Gefühle wie Dankbarkeit, Hoffnung und Verbundenheit bei sich wahrnimmt, kommt besser durch eine Krise. 

Ihre Untersuchungen bei einer Gruppe von Studenten nach dem 11. September 2001 ergab:

Diejenigen, die über eine positive Grundeinstellung zum Leben verfügten, also grundsätzlich über den Tag hinweg mehr positive als negative Gefühle verspürten, erholten sich schneller und vor allem nachhaltiger von Schmerz und Angst. Sie empfanden ihr Leben als erfüllter, waren optimistischer und stabiler nach der Krise.  

Barbara Fredrickson ist davon überzeugt, dass Resilienz und eine positive Befindlichkeit zusammengehören:

Ohne positive Grundhaltung gibt es keine Erholung von Rückschlägen. 

Gerade die Hoffnung ist hier ein ganz wichtiges Gefühl. Oder Dankbarkeit für kleine Momente der Freude.

Ich habe in ganz vielen Episoden darüber gesprochen, wie du dir diese Momente aktiv holen kannst.

Zum Beispiel auch in Episode 2 von Coffee or Tea.

Da ging es um die 4 Abendfragen:

  • Was hat dir heute Freude bereitet?
  • Wo hast du dich heute lebendig gefühlt?
  • Wofür und wem kannst du heute dankbar sein?
  • Welche Stärken konntest du heute ausleben?

Und dabei kommt auch schon die zweite Säule ins Spiel:


E – Engagement: Das Einsetzen deiner Stärken und dein persönliches Flow-Erleben

Bei welchen Tätigkeiten gehst du voll aufgehen, so dass du Zeit und Raum vergisst?

Man nennt das auch „intrinsische Motivation“.

Was kannst du gut, was machst du gerne?

Wenn du dich gut fühlst bei dem, was du tust, zahlt das wiederum auf die Säule „Positive Gefühle“ ein.

Und dein selbstbestimmtes Handeln zahlt ebenfalls auf die vierte Säule ein: Meaning - Sinnhaftigkeit.

Dazu später mehr!

Die dritte Säule ist:


R – Relationships: Zugehörigkeit erleben und Beziehungen aufbauen

Wir Menschen brauchen menschliche Beziehungen für unser Wohlergehen. Früher war das sogar überlebenswichtig. Ohne das eigene Rudel ging nix. 

Und auch heute belegen zahlreiche Studien:

Glückliche Beziehungen regulieren Stress.

Der bekannte Professor für Psychiatrie an der Harvard Medical School, Robert Waldinger, nennt eine gute Beziehungspflege „Soziale Fitness“ und empfiehlt, sowohl in die eigene Partnerschaft als auch in Kontakte zu Freunden, Bekannten und Kolleg:innen regelmäßig Zeit zu investieren.

Wir sollten Kontaktpflege regelrecht trainieren, um nicht aus der Übung zu kommen.

Warum?

Robert Waldinger betreut an der Harvard Universität seit vielen Jahren eine wichtige Langzeitstudie, die Harvard Study of Adult Development. Die Studie startete kurz vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges in Harvard, und sie läuft noch immer. Ein Grossteil der Teilnehmer ist inzwischen gestorben, neue Probanden sind dazugekommen, die Studienleitung hat gewechselt – nur das Ziel blieb gleich. Erforscht wird, was ein gelungenes Leben ausmacht, psychologisch, soziologisch, medizinisch. Oder kurz: Was macht uns, wissenschaftlich gesehen, glücklich oder zumindest zufrieden?

Nach ihrem 80. Geburtstag haben die Forscher:innen die erste Generation ihrer Studienteilnehmer gefragt, worauf sie im Leben besonders stolz seien. Kein einziger hat auf das Bankkonto verwiesen, von einer Auszeichnung geschwärmt oder einen Titel erwähnt. Stolz waren die Probanden aufs Vatersein, darauf, jemanden gefördert oder unterstützt zu haben. Befriedigung fanden sie in den Beziehungen, in denen sie einen Unterschied machten. Auch jene Teilnehmer, die als Teenager und junge Erwachsene grosse und ehrgeizige Pläne zu Protokoll gaben – und sie sogar erreicht haben. Je älter wir werden, desto bedeutsamer werden die Beziehungen.

Und das setzte sich auch in den nächsten Generationen fort.

Also - Als Tipp fürs kommende Wochenende:

Betreibe Beziehungspflege. Mit deinem Partner, oder ruf eine Freundin an, oder schreib einen Brief an ein Familienmitglied, das dir am Herzen liegt.

Noch ein Tipp von Professor Waldinger:

Investiere unbedingt in Erlebnisse. Nicht nur dein Geld, auch deine Zeit.

Erlebnisse kann dir niemand mehr wegnehmen.

Ausserdem sind sie stets einmalig, weil die Menschen, mit denen man verreist, das Wetter oder der Zufall das Erlebnis auch an einem unspektakulären Ort besonders machen. 

Und damit kommen wir zur vierten Säule:


M – Meaning: Sinnhaftigkeit im Leben spüren

Worauf richtest du dein Leben aus?

Was gibt deinem Dasein eine tiefere Bedeutung?

Auch dazu habe ich schon oft in meinem Podcast gesprochen.

Speziell Episode 46 „Nur noch kurz die Welt retten – Vom Sinn deines Lebens“ zeigt dir Wege auf, wie du deinem Leben Tiefe und Bedeutsamkeit verleihen kannst.

Und auch, wenn man sich vielleicht nicht täglich in der Tiefe damit beschäftigen möchte: 

Entscheide jeden Tag ganz bewusst - mit welcher Energie willst du dich heute verbinden? 

Und dann morgen wieder.

  • Welche Themen lässt du in deinen Verstand und in dein Herz?
  • Welchen Menschen gewährst du den Eintritt in dein Leben?

Das ist schon ein guter Schritt.

Und damit zur fünften Säule:


A – Accomplishment: Ziele erreichen und Selbstwirksamkeit leben

Diese Säule hilft dir, an Erfahrungen zu wachsen und mit zunehmendem Lebensalter mehr und mehr in die Selbstbestimmung zu kommen.

Zum Thema "Ziele erreichen" habe ich eine ganze Serie an Podcastfolgen gemacht. 

Und gerade die Aufschieberitis möchte ich hier noch mal ansprechen: Ich habe öfters in meinen Beratungen Klientinnen oder Klienten, die gerne etwas Bestimmtes erreichen würden.

Was das ist, ist sehr unterschiedlich:

Die eigene Karriere voranbringen, die Wohnung ausmisten und gemütlich machen, mit dem Rauchen aufhören, mehr Bewegung in den Alltag bringen.

Und viele berichten, dass sie darunter leiden, dass sie zwar ziemlich wissen, was sie wirklich gerne tun würden – es aber trotzdem nicht auf die Piste bringen. Nicht weil der Plan fehlt, sondern weil der sogenannte innere Schweinehund die Sache blockiert.

Und was dahinter steckt ist oft mehr als nur Bequemlichkeit und Anstrengungsvermeidung. 

Es sind oft tief verankerte unbewusste Überzeugungen und Ängste, die die Veränderung und das neue Handeln blockieren.

Ich werde dazu auch noch mal eine eigene Podcast-Episode machen.

An dieser Stelle möchte ich aber darauf hinweisen, dass du dir genau hier das gute Gefühl der Selbstwirksamkeit holen kannst: Indem du dir etwas vornimmst und aus eigener Kraft in die Umsetzung bringst. 

Es muss gar nichts Großes sein.

Geh den Weg der kleinen Schritte.

Aber tu jeden Tag etwas, das Wirkung erzeugt.

Und vielleicht ist das kommende Wochenende genau richtig dafür.

Wenn du jetzt spürst, dass du gerne auf deinem Weg einen Impuls von außen gebrauchen könntest, dann kannst du sehr gerne einen Beratungstermin bei mir buchen.

Ich freue mich, wenn ich dich bei deinem ganz persönlichen Thema unterstützen kann. 

Und ich Ich freue mich auch über die Weiterempfehlung des Podcasts an eine Freundin oder einen Freund.

Ich wünsche dir von Herzen alles, alles Liebe,

Deine Ursula

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